Standortbezogenes Umsetzungskonzept

für 
NMS St. Katharein/Laming
verfasst von Dipl.-Päd. Oliver Heimrath

 

1. Allgemeines

Schulen haben in Wahrnehmung ihrer Gesamtverantwortung für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit auf ein koordiniertes Zusammenwirken aller Ansätze und Maßnahmen im Bereich IBOBB (Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf) zu achten. Für diesen Zweck ist ein standortbezogenes Umsetzungskonzept zu erstellen und den Schulpartnern zu kommunizieren.

 

2. IBOBB-Team

Schulleitung: Doris Schutting

BO-Lehrer: Oliver Heimrath

Schülerberater: Oliver Heimrath

Genderbeauftragte: Sonja Meister

 

Alle im Team beteiligten Personen verfügen über die notwendigen und geforderten Ausbildungen und Qualifikationen.

 

3. Koordination

Maßnahmen werden in Teamsitzungen und Konferenzen besprochen und zeitlich abgestimmt bzw. mit externen Stellen telefonisch und per email vereinbart.

 

4. Umsetzung

Die verbindliche Übung Berufsorientierung kann als eigenes Fach, integrativ oder projektorientiert umgesetzt werden.

An der NMS St. Katharein/Lg. wird Berufsorientierung als eigenes Fach mit je einer Wochenstunde in der 7. und 8. Schulstufe angeboten. Zusätzlich werden IBOBB-Inhalte auch integrativ in folgenden Unterrichtsfächern umgesetzt:

  • Deutsch: Die Schülerinnen und Schüler verfassen Lebensläufe und Bewerbungsschreiben. Sie lernen, sich selbst zu präsentieren und wissen um die Wichtigkeit vollständiger Bewerbungsunterlagen. Die Jugendlichen können argumentieren und ihre Meinungen in einer angemessenen Sprache kundtun.
  • Englisch: In der 8. Schulstufe lernen Schülerinnen und Schüler verschiedenste Berufe (professions) kennen. Sie reden über ihre persönlichen Interessen, ihre Stärken und Schwächen, diskutieren Vor- und Nachteile verschiedener Berufe und formulieren Bewerbungsschreiben (letter of application).
  • Mathematik: Auf Berufsgruppen, in denen die Mathematik eine entscheidende Rolle spielt, wird bei Aktualität hingewiesen (z.B. Forscher, Architekten, Bankfachkräfte, Konstrukteure). Es wird auch über die erforderliche Ausbildung gesprochen, wie z.B. über ein Studium an der technischen Universität. Besondere Beachtung findet auch der Blick auf Fachkräfte und deren Ausbildung.
  • Informatik: Neue Berufe, die durch die Digitalisierung entstehen, werden des Öfteren besprochen, Vor- und Nachteile erläutert und auf die notwendigen Qualifikationen hingewiesen.
  • Geschichte: Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sich die Arbeitswelt im Laufe der Zeit verändert hat und welche traditionellen Berufe noch heute von Bedeutung sind. Sie erkennen, dass in der heutigen komplexen Arbeitswelt Arbeitsteilung und Teamarbeit wichtige Schlagworte sind. Außerdem erfahren sie, dass Erfindungen und Entdeckungen die Arbeitswelt und die Arbeitsbedingungen revolutioniert haben.
  • Geografie und Wirtschaftskunde: Die Schülerinnen und Schüler erkennen die Spielregeln der freien Marktwirtschaft. Sie wissen darüber Bescheid, wie man die Wirtschaft in Sektoren unterteilen kann. Zudem kennen sie den Unterschied zwischen Gewerbe- und Industriebetrieben. Ausgewählte Berufsbilder (z.B. Forstarbeiter) werden mit den Jugendlichen besprochen.
  • Biologie und Umweltkunde: Die Schülerinnen und Schüler lernen verschiedene Berufe zum Thema Wald kennen. Sie erkennen die Wichtigkeit der einzelnen Berufsbilder (z.B. Förster, Forstarbeiter, Landwirt), damit auch kommende Generationen von unseren Wäldern profitieren können. Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass Umweltschutz für eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktion von großer Bedeutung ist. Zudem erfahren sie die Wichtigkeit des Themas Hygiene, vor allem in Berufen des Gesundheitsbereiches.
  • Bewegung und Sport: Motivation, Erfolg und Niederlage, Regelbewusstsein, Fairness und Teamfähigkeit sind wichtige Faktoren für das spätere Berufsleben und werden im Sportunterricht in spielerischer Form trainiert.
  • Ernährung und Hauswirtschaft: Es werden Grundlagen und Kenntnisse einer gesunden und zeitgemäßen Ernährung vermittelt sowie die Bedeutung der Hygiene in den Mittelpunkt der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten gestellt. Mit diesen Tätigkeiten gestalten wir unseren Lebensraum, der Kraftquelle, Rückzugsort, Erholungsraum und Wohlfühloase sein soll. Berufsfelder und Ausbildungen, in denen Ernährung und Hauswirtschaft eine entscheidende Rolle spielen (Raumpfleger/-in, Koch/-in, Gastronomiefachmann/-frau, Event-Manager/-in, Garten- und Grünflächengestalter/-in etc.), werden den Schülerinnen und Schülern nähergebracht.
  • Textiles Werken: Es wird kreatives Denken angeregt und der Farbensinn geschult. Nebenbei lernen die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichsten Materialen kennen und mit viel Fingergeschick (Feinmotorik) diese weiterzuverarbeiten. Berufe aus dem Mode- und Textilbereich sind ebenfalls ein wichtiges Thema.
  • Technisches Werken: Das Arbeiten mit verschiedensten Werkstoffen und der richtige Umgang mit Werkzeugen und deren Einsatz gibt den Schülerinnen und Schülern einen ersten Einblick in die Welt handwerklicher Berufe.
  • Religion: Von der 5. bis zur 8. Schulstufe werden viele verschiedene Themen, die mit Inhalten der Berufsorientierung einhergehen, behandelt, wie z.B. eigene Stärken erkennen, Auswirkungen des Berufslebens auf das Familienleben, die eigene Familiengeschichte kennen lernen, die Schere zwischen Arm und Reich, Selbstbewusstsein haben und zeigen, wie ich auf andere wirke. In einer Gesellschaft, die einerseits eine Vielfalt an Lebens- und Gestaltungsformen bietet, andererseits Lebenschancen entzieht, gibt es viele Möglichkeiten, sich zu orientieren und dabei die eigene Würde und die der anderen zu entdecken.
  • Soziales Lernen: Ab der 5. Schulstufe wird mit den Schülern bereits im Bereich Persönlichkeitsbildung gearbeitet. Sie beschäftigen sich mit ihren Stärken und Schwächen und auch Selbst- und Fremdeinschätzung sind ein Thema.

 

5. Dokumentation

Die Dokumentation der geleisteten Arbeit erfolgt auf Schülerebene in Form einer BO-Mappe und im Schulbuch, welche beide in der 7. und 8. Schulstufe geführt werden.

Auf Lehrer- und Schulebene ist neben der Auflage des standortbezogenen Umsetzungskonzeptes, der Jahresplanungen und der wöchentlichen Aufzeichnungen im Klassenbuch auch die schriftliche Vorbereitungsarbeit des BO-Lehrers zu berücksichtigen.

 

6. Öffentlichkeitsarbeit/Präsentation

Ergebnisse größerer Projekte werden im Schulgebäude, auf der Homepage und in Printmedien der Region öffentlich gemacht.

Schülerinnen und Schüler präsentieren ihren Eltern im Zuge der KEL-Gespräche ihre Arbeiten (7. Schulstufe: „Was ich einmal werden möchte!“) bzw. ihre Berichte (8. Schulstufe: „Meine berufspraktischen Tage!“).

 

7. Elterninformation

Die Eltern werden zu Beginn des Schuljahres im Zuge des Klassenforums über das Unterrichtsfach Berufsorientierung, das standortbezogene Umsetzungskonzept, geplante Realbegegnungen, die berufspraktischen Tage etc. mündlich oder schriftlich informiert. Im Laufe des Schuljahres erfolgen alle Informationen oder Einladungen zu Veranstaltungen seitens des BO-Lehrers immer schriftlich und zeitgerecht.

 

8. Elterneinbindung

Die Eltern sind über alle Maßnahmen und Veranstaltungen bestens informiert. Beim „Job dating“, organisiert von der STVG, begleiten die Eltern ihre Kinder. Schulische und berufliche Karriere kommen bei den KEL-Gesprächen ab der 7. Schulstufe zur Sprache.

 

9. Realbegegnungen

a. Betriebsbesichtigungen und -erkundigungen

Betriebsbesichtigungen und Betriebserkundigungen stellen im Bereich IBOBB eine wichtige Maßnahme dar, um Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Praxis zu geben. Auf diese Exkursionen bereiten sich die Jugendlichen im Zuge einer Internet-Rallye gut vor. Während der Realbegegnung werden Fragen gestellt, Notizen und Fotos gemacht. Zurück in der Schule erfolgt eine intensive Nachbesprechung sowie eine schriftliche Reflexion des Gesehenen und Erlebten.

Einige Firmen und Betriebe, die seit 2015 besucht wurden: Böhler Edelstahl GmbH & Co KG, Norske Skog, Pankl Engine Systems GmbH & Co KG, Stadtwerke Kapfenberg GmbH, ece Einkaufs Centrum Europaplatz, Montan Terminal Kapfenberg.

 

b.   Berufspraktische Tage (BPT)

Besondere Bedeutung kommt den berufspraktischen Tagen zu, die in der 8. Schulstufe immer in der 1. Schulwoche nach den Semesterferien angeboten werden. Auf diese werden Schülerinnen, Schüler und Eltern von Beginn des Schuljahres an vorbereitet. Alle Informationen, um eine für alle Beteiligten optimale und reibungslose Praxiswoche möglich zu machen, werden immer schriftlich und zeitgerecht mitgeteilt. Die Vorbereitung für die Jugendlichen erfolgt intensiv im BO-Unterricht und wird mit Projekten wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ noch unterstützt. Während der BPT besucht der BO-Lehrer 1-2mal die Schülerinnen und Schüler in den Betrieben, erkundigt sich bei den zuständigen Mitarbeitern und fotografiert sie bei ihren Tätigkeiten. Im Anschluss an die BPT schreiben die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe ihrer schriftlichen Aufzeichnungen einen Abschlussbericht auf dem PC, gestalten das Layout mit den zur Verfügung gestellten Fotos und stellen diese im Schulgebäude aus.

 

c.    Kooperationen mit externen Institutionen

    • Steirische volkswirtschaftliche Gesellschaft (STVG)
    • BBRZ
    • AMS/BIZ
    • BFI
    • WKO Steiermark

 

d.   Projekte/Veranstaltungen mit externen Institutionen

    • Mit Schirm, Charme und Melone (STVG)
    • Helle Köpfe – geschickte Hände (WKO Steiermark)
    • Arbeitszimmer (AMS/BIZ)
    • Talentcenter (WKO Steiermark)
    • Lehre mit Matura (BFI)
    • Job dating (STVG)
    • ece Bildungstag (ece)
    • Präsentationen von Meisterhandwerkern z.B. Malermeisterin Nina Habe
    • Besuch von Schulen z.B. Polytechnische Schule Kapfenberg
    • Präsentationen von Schulen z.B. Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft Oberlorenzen, BORG Kindberg, Tourismusschulen Semmering, HAK Bruck/Mur, BAfEP Bruck/Mur

 

10. Individualisierung/Differenzierung

Schülerinnen und Schüler sollen und können sich ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend entwickeln und so auf ihre berufliche bzw. schulische Laufbahn vorbereiten. Unterstützend führt der BO-Lehrer/Schülerberater mit den Jugendlichen auch Einzelgespräche. Das Jugendcoaching, angeboten über das BBRZ Steiermark, ist besonders für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf und für Schülerinnen und Schüler im 9. Schuljahr hilfreich.

Schülerinnen und Schülern der 8. Schulstufe, die eine weiterführende Schule besuchen möchten, wird von Seiten der Schulleitung die Möglichkeit gegeben, 2-3 Schulen, für die sie sich interessieren, zu besichtigen und sich über das Angebot zu informieren.

Auch die Arbeitsaufträge „Was ich einmal werden möchte!“ (7. Schulstufe) und „Präsentiere eine Schule!“ (8. Schulstufe) schaffen Schülerinnen und Schülern Freiraum, um sich mit ihren bevorzugten Berufen und Schulen intensiver auseinandersetzen zu können.

Der Besuch des Talentcenters der WKO zielt ebenso darauf ab, besondere Talente, Interessen und Fähigkeiten herauszufiltern und den Schülerinnen und Schülern vor Augen zu führen.

Nicht zuletzt bilden natürlich die berufspraktischen Tage eine optimale individuelle Berufsorientierung.

 

11. Gender/Diversity

Veranstaltungen wie der „Girls´ Day“ und der „Boys´ Day“ werden dieser Thematik gerecht.

 

12. Informationsmaterial

In der „BO-Ecke“ stehen den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl an Foldern und Prospekten der wichtigsten regionalen Institutionen zur Verfügung. Weiters haben die Jugendlichen Internetzugang im Computerraum und können sich unter Aufsicht online informieren.

 

Stand: Februar 2018